Hochwertiges Recycling

Hochwertiges Recycling

16.03.2018 von Ingetraud Wohlfahrt

Hochwertiges Recyceln funktioniert, wenn Wertstoffe sortiert werden. Der AWV zeigt, wie es geht.

Glasverpackungen

4754 Tonnen Altglas wurden 2016 beim AWV eingesammelt, das entspricht ca. 21 Kilogramm pro Einwohner. Glas wird hauptsächlich aus Quarzsand (Silicium Dioxid) hergestellt. Weitere Bestandteile von Glas sind Kalk, Asche, Dolomit und Soda. Für die Produktion von neuen Glasverpackungen wird der Scherbenbruch in einer Glashütte aufbereitet. Dazu werden Fremdstoffe entfernt: Eisenteile mit Magnetabscheider abgetrennt, Fremdstoffe, die leichter als Glas sind, abgesaugt und mit optischen Verfahren werden z.B. lichtundurchlässige Materialien wie z.B. Keramik entfernt. Schließlich wird das Altglas nach Farben getrennt eingeschmolzen und es werden neue Glasverpackungen hergestellt.

Glasrecycling ist ökologisch vorteilhafter als die Neuproduktion, da der Schmelzpunkt von reinem Quarz bei 1700 °C liegt und das Schmelzen aus frischen Rohstoffen bis zu 25% mehr Energie benötigt, als wenn man Altglas verwertet. Dies hat auch eine Reduktion der CO2-Emissionen zur Folge. Zudem werden Rohstoffe eingespart: So müssen für einen Kubikmeter Primärrohstoffe sieben Kubikmeter Gestein abgebaut werden.

Bioabfälle

2017 wurden 7600 Tonnen Bioabfälle in der Vergärungsanlage „Bioenergiezentrum BENC KG“ in Mertingen unter Erzeugung von regenerativer Energie, Wärme und Kompost wirtschaftlich verwertet. Die Vergärungsanlage erzeugt Strom für rund 350 Haushalte (bei Vier-Personenhaushalt mit Jahresverbrauch von 4000 kWh). Die Gärrückstände werden bei 70 Grad Celsius hygienisiert und von Landwirten als Kompost ausgebracht bzw. als Flüssigdünger genutzt. Außerdem wird die beim Gären entstandene Wärme zum einen für die Hygienisierung des Gärrückstandes verwendet, zum anderen wird die Wärme von Protherm Mertingen vermarktet und versorgt derzeit 70 Haushalte in Mertingen mit Fernwärme. Der Betreiber der Vergärungsanlage in Mertingen, Paul Schweihofer bittet alle Biotonnennutzer, nur kompostierbare Materialien zu sammeln und jegliche Störstoffe, vor allem Plastikabfälle und kompostierbare Beutel nicht in die Biotonne zu geben. Nur so kann auch der Gärrückstand als wertvoller Dünger genutzt werden.

Elektrogeräte

Elektrogeräte bestehen zu einem großen Teil aus wertvollen Materialien, wie z.B. Glas, Kunststoff, Eisen, Aluminium, Kupfer, Gold und Silber, die als sekundäre Rohstoffe zurück gewonnen werden können. Dadurch können Primärrohstoffe - und damit ihre aufwändige Gewinnung - ersetzt und ein wesentlicher Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen geleistet werden. Darüber hinaus enthalten die Geräte Schadstoffe wie Blei, Cadmium und Quecksilber, PVC, Dioxine und weitere hochgiftige und umweltgefährdende Stoffe, die fachgerecht entsorgt werden müssen und nicht ins Grundwasser gelangen dürfen. Beim AWV eingesammelte Elektrogeräte werden u.a. von der Firma Koslow GmbH  & Co. KG in Landshut verwertet.

Altpapier

Nach der Sammlung von Altpapier, Pappe und Kartonagen über die blauen Tonnen bzw. über die Container am Recyclinghof, immerhin etwa 18.000 Tonnen pro Jahr, wird das Papiergemisch sortiert, zu Ballen gepresst und zur Papierfabrik transportiert. Bei der Aufbereitung werden Materialien, die den Verwertungsprozess stören, aussortiert, wie z.B. Restmüll und Metalle. In der Papierfabrik werden die Ballen dann im Pulper mit Wasser aufgelöst und in der Papiermaschine zu Papierbahnen verarbeitet, die in riesigen Rollen gelagert werden. Die Bahnen werden je nach Verwendung zurechtgeschnitten und es können z.B. Broschüren, Zeitungen oder Plakate gedruckt werden. Bei der Herstellung von Recyclingpapier aus Altpapier sind die Vorteile für die Umwelt enorm. So werden bei der Herstellung von Papier aus Altpapier 50mal weniger Wasser, 4mal weniger Energie verbraucht und die Wasserverschmutzung ist 20x geringer als wenn Zellstoff verwendet wird.

Die Reste

Im Abfall steckt eine Menge Energie. Eine Tonne Müll entspricht etwa der Wärmeenergie von 250 Litern Heizöl. 27.167 Tonnen Restmüll entsorgte der AWV im Jahr 2016 in der Verbrennungsanlage in Augsburg. Damit werden umgerechnet fast 6,8 Millionen Liter Heizöl eingespart. Der von der AVA erzeugte Strom reicht aus, um zum einen den Eigendarf der AVA abzudecken und zum anderen  rund 63.000.000 kWh in das öffentliche Stromnetz einzuspeisen. Auf diese Weise trägt die AVA zur Versorgung der angeschlossenen Haushalte mit Strom bei. Aus der Schlacke werden sogar noch Metalle mit Magnetabscheider separiert und verwertet. Mit der AVA Augsburg hat der AWV Nordschwaben einen langfristigen Vertrag zu günstigen Konditionen abgeschlossen, damit die Daseinsvorsorge in Nordschwaben auch zukünftig gesichert ist.

Fazit von Ingetraud Wohlfahrt: Hochwertiges Recycling hat viele Vorteile: Es spart Rohstoffe und Energie ein, es verursacht weniger Abwässer und giftige Abfälle, es entlastet Einrichtungen zur Abfallbeseitigung und es schützt Boden, Luft  und Wasser vor Verunreinigungen. Durch die Abfallverwertung des AWV werden jährlich rund 40.000t CO2 eingespart und damit ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet.

FOTO: JOSEF LEIMINGER

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